Projekthintergrund
philippinen_behinderten_01Menschen mit Behinderungen gehören in den Philippinen zu den besonders benachteiligten Personen. Im ländlichen Raum ist es häufig anzutreffen, dass Familien ihre behinderten Familienmitglieder vor den Blicken der Nachbarn oder Dorfbewohner verstecken, weil ein Großteil der Bevölkerung immer noch glaubt, die Familie würde mit dem Behinderten Mitglied eine Bestrafung Gottes erhalten. Die Zahl Behinderter auf den Philippinen hat sich in den letzten Jahren aufgrund vielfältiger Ursachen erhöht. Einseitige und vitaminarme Ernährung, fehlende gesundheitliche Präventivversorgung, schlechte Wohnbedingungen und Hygiene, gefährliche Arbeits- und Transportbedingungen (z.B. Fischerei unter Einsatz von Dynamit, Fahrzeugunfälle wegen schlechten Zustandes der Fahrzeuge, Berufsunfälle aufgrund veralteter und ungesicherter Geräte und Maschinen), diese und weitere Bedingungen sind ursächlich für alle möglichen Köperschädigungen.

Read More

Zielsetzung
Wenn Behinderung festgestellt wird, können die Familien aus Mangel an Geld Ärzte, Medikamente und insbesondere notwendige Therapien nicht mehr bezahlen. Meist sind Einrichtungen zur physikalischen Therapie von Körperbehinderten nur in den großen Städten. Für die Betroffenen sind Transport und Unterbringung kaum finanzierbar. Andererseits glauben viele Familien aus Unwissen, dass es nicht viel Sinn mache, in die Entwicklung der körperbehinderten Familienmitglieder viel Geld zu investieren. Die Behinderten bleiben daher meist ihrem Schicksal sich selbst überlassen. Aber auch für diejenigen, die den Behinderten helfen wollen, stellt sich das gleiche Problem, dass die Behinderten weit entfernt und verstreut bis in die hintersten Gebiete der Inseln in abgelegenen Dörfern wohnen und kaum zu erreichen sind.

Primäres Ziel ist es, Menschen mit Behinderung auf abgelegenen Inseln der Philippinen (Visaya Islands) orthopädisch zu versorgen, dort wo es keinerlei medizinische oder therapeutische Einrichtungen gibt. Zu diesem Zweck soll das Orthopädieschiff „Hilwai“ mit den nötigen Materialien, Werkzeugen und Geräten zur Herstellung von Prothesen und Hilfsmitteln ausgestattet werden. Auf diesem Boot können die Körperbehinderten mit Orthesen, Prothesen, Hilfsmitteln und Rollstühlen versorgt werden. Die Untersuchung der Behinderten und Anpassung von Prothesen erfolgt auf dem Schiff „Hilwai“, ebenso die Herstellung der orthopädischen Hilfsmittel. Neben der Herstellung und Anpassung von Orthopädieteilen und Rollstühlen, sollen Therapie und Training mit den Behinderten auf dem Boot und auf dem Festland erfolgen. 

Projektverlauf
Das Orthopädieboot Hilwai wurde im Dezember 2004 erstmalig in Betrieb genommen. Der erste Einsatz des Bootes war aufgrund der akuten Not die Provinz „Aceh“ in Indonesien. Nach seiner Rückkehr wurde das Boot mit den Fördermitteln der Schmitz-Hille-Stiftung entsprechend des Einsatzes für die philippinischen Inseln Bohol, Negros und Cebu (Inselgruppe der Visayas) umgebaut und mit Therapiegeräten, Werkzeugen und Materialien ausgestattet. Parallel dazu wurden die Routen und Einsatzpläne entwickelt. Mitarbeiter von Handicap International besuchten die Inseln und die betreffenden Kommunen und Gemeinden und bereiteten die dort lebenden behinderten Personen und ihre Familien auf einen baldigen Besuch auf dem Hilwai Boot vor.

Außerdem wurden Freiwillige und Volontäre für den Einsatz in den Dörfern geschult, um den Transport der Behinderten zum jeweiligen Hafen sowie die erforderlichen Übernachtungsmöglichkeiten in Hafennähe zu organisieren, damit die Behinderten dort für ein paar Tage während ihrer Therapie verweilen können. Im Laufe mehrerer Einsätze auf den drei Hauptinseln der Visayas konnte das Boot im Berichtsjahr 2005 über 140 Personen mit Körperbehinderungen medizinisch und therapeutisch versorgen. Dazu fanden Öffentlichkeitskampagnen in den betreffenden Kommunen der Behinderten statt, um die Dorfbevölkerung und die betroffenen Familien über die Situation Behinderter aufzuklären und um vor allem Berührungsängste und Vorurteile Nichtbehinderter gegenüber Behinderten abzubauen. Die Schmitz-Hille-Stiftung erwägt, wegen der positiven Wirkungen des Projektes und zur weiteren Sicherstellung der Versorgung von Menschen mit Behinderung eine Verlängerung der Unterstützung für das Orthopädieboot „Hilwai“.

In Kooperation mit Handicap International e.V., München; Philippinen – Visayas